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Start arrow Die 10 Gebote von OS
Die 10 Gebote von OS   PDF  Drucken 
In einer vom Begriff der Ökonomie der Aufmerksamkeit geprägten Zeit bedeutet die prägnante Berichterstattung in der Presse zwar nicht alles, aber fast alles für ein Projekt. Unmißverständlichkeit war bei der freien Software in ihrer Zersplitterung in unzählige Lizenzen ohne einen gemeinsamen, unmißverständlichen Nenner nicht gegeben. Das Resultat ist eine Reihe ungenauer bis falscher Berichte zum Thema.

Zur Beseitigung dieses Mankos fanden sich am 3. Februar 1998 Todd Anderson, Chris Peterson, John maddog Hall, Larry Augustin, Sam Ockman und Eric Raymond zusammen und hoben den Begriff Open Source aus der Taufe.

In der folgenden Woche beteiligten sich auch Linus Torvalds sowie Bruce Perens an der Definition des Begriffs. Das Ergebnis ist die Open Source Definition. Sie beruht auf den Debian Free Software Guidelines von Bruce Perens.

Damit sich eine Software Open Source nennen darf, muß die Lizenz, unter der sie veröffentlicht wird, alle Forderungen der Open Source Definition erfüllen.

1. Freie Weiterverbreitung

Die Lizenz darf niemanden im Verkauf oder in der Weitergabe der Software als Teil einer aus verschiedenen Quellen zusammengesetzten Softwaredistribution einschränken. Die Lizenz darf keinerlei Lizenzgebühren oder andersartige Beiträge verlangen.

Indem wir von der Lizenz verlangen, eine freie Weiterverbreitung zu ermöglichen, verhindern wir, daß der Langzeitnutzen zugunsten von Geldmacherei beeinträchtigt wird. Wenn wir dies nicht täten, würde Druck auf Mitwirkende ausgeübt, abtrünnig zu werden.

2. Quellcode

Das Programm muß den Quellcode beinhalten und sowohl die Verbreitung als Quellcode als auch in kompilierter Form gestatten. Wird ein Teil des Produkts nicht mit Quellcode verbreitet, so muß auf eine Möglichkeit, den Quellcode gebührenfrei aus dem Internet downzuloaden, ausdrücklich hingewiesen werden. Der Quellcode muß in einer Form zur Verfügung gestellt werden, in der ein Programmierer ihn verändern kann. Absichtlich verwirrend geschriebener Quellcode ist nicht erlaubt. Ebenso sind Zwischenformen, wie die Ausgabe eines Präprozessors oder eines Übersetzers, verboten.

Wir benötigen Zugriff auf verständlichen Quellcode, weil man Programme nicht weiterentwickeln kann, ohne sie zu verändern. Da wir die Entwicklung einfach machen wollen, müssen wir auch verlangen, daß die Veränderung des Codes einfach ist.

3. Auf dem Programm basierende Werke

Die Lizenz muß die Veränderung des Programms, auf dem Programm basierende Werke sowie deren Verbreitung unter den gleichen Lizenzbedingungen gestatten.

Allein nur die Möglichkeit zu haben, den Quellcode zu lesen, reicht nicht aus, um eine unabhängige Prüfung und eine schnelle evolutionsähnliche Auslese zu erreichen. Damit eine schnelle Entwicklung möglich ist, muß man mit der Software experimentieren können und Veränderungen weiterverbreiten dürfen.

4. Die Unversehrtheit des Originalcodes

Die Lizenz darf die Verbreitung von modifiziertem Quellcode nur dann einschränken, wenn sie die Verbreitung von sogenannten Patchdateien in Verbindung mit dem Originalcode gestattet, damit das Programm vor der Benutzung verändert werden kann. Die Lizenz muß ausdrücklich die Verbreitung von Software erlauben, die mit verändertem Quellcode erstellt wurde. Die Lizenz darf allerdings von auf dem Programm basierenden Werken verlangen, einen von der Originalsoftware verschiedenen Namen oder eine andere Versionsnummer zu tragen.

Es ist eine gute Sache, Verbesserungen zu unterstützen, aber die Benutzer der Software haben ein Recht darauf zu wissen, wer für das Produkt verantwortlich ist. Andererseits haben die Autoren und deren Unterstützer das Recht zu wissen, welche Software sie überhaupt unterstützen sollen, und sie haben das Recht, ihren guten Ruf zu schützen.

Folglich muß eine Open Source-Lizenz garantieren, daß der Quellcode frei verfügbar ist, kann aber gleichzeitig verlangen, daß die Quellcodes in der ursprünglichen Fassung zusammen mit den Patches verbreitet werden. Dadurch können inoffizielle Änderungen verfügbar gemacht und gleichzeitig vom Originalcode unterschieden werden.

5. Keine Diskriminierung von einzelnen Personen oder Gruppen

Die Lizenz darf keinerlei Personen oder Personengruppen diskriminieren.

Um das Maximum aus diesem Verfahren herauszuholen, müssen möglichst viele verschiedene Personen das gleiche Recht haben, zu Open Source-Software beizutragen. Deswegen verbieten wir jeder Open Source-Lizenz, jemanden aus dem Verfahren auszuschließen.

6. Keine Einschränkungen für bestimmte Anwendungsbereiche

Die Lizenz darf niemanden in der Benutzung des Programms in einem bestimmten Einsatzgebiet einschränken. Sie darf beispielsweise nicht die kommerzielle Nutzung oder die Benutzung in der Genforschung verbieten.

Der Hauptsinn dieses Paragraphs ist es, zu verhindern, daß irgendwelche Klauseln einer Lizenz die kommerzielle Nutzung des Programms verbieten. Wir wollen, daß auch Benutzer des kommerziellen Bereichs zu unserer Gemeinschaft gehören und sich nicht ausgeschlossen fühlen.

7. Verbreitung der Lizenz

Die zum Programm gehörigen Rechte müssen für jeden gelten, der das Programm erhalten hat, ohne daß eine weitere Lizenz beachtet werden muß.

Dieser Paragraph soll verhindern, daß durch indirekte Mittel, wie das Verlangen eines Einverständnisses, die Software nicht offen weiterzugeben, die Software nicht wirklich frei ist.

8. Die Lizenz darf nicht für ein bestimmtes Produkt gelten

Die zum Programm gehörigen Rechte dürfen nicht davon abhängen, daß das Programm Teil einer bestimmten Softwaredistribution ist. Wird das Programm außerhalb einer solchen Distribution genutzt oder verbreitet, so gelten für den Benutzer dieselben Rechte, die in der Originaldistribution gewährt werden.

Dieser Paragraph beugt einer anderen Art Lizenzfalle vor.

9. Die Lizenz darf andere Software nicht beeinträchtigen

Die Lizenz darf keine andere Software einschränken, die zusammen mit der lizensierten Software verbreitet wird. Die Lizenz darf beispielsweise nicht verlangen, daß jegliche Software, die auf demselben Datenträger verbreitet wird, Open Source-Software sein muß.

Jeder, der Open Source-Software benutzen oder weiterverbreiten möchte, hat das Recht, sich seine eigene Software auszusuchen.

10. Die Lizenz muss technologie-neutral sein

Keine Bestimmung der Lizenz darf auf irgendeine einzelnen Technologie fixiert werden.
 


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